Weltspiegel Filmtheater Cottbus - Kerstin Adam

Das „Weltspiegel“ Kino in Cottbus ist eine echte Institution. Es gibt viele Gründe, warum es sich von den meisten anderen Kinos abhebt. Zum einen ist es der älteste Kinozweckbau in Brandenburg und außerdem der zweitältestes deutschlandweit. Außerdem liegt es mitten in der Innenstadt der Filmstadt Cottbus, die seit vielen Jahren durch ihr Filmfestival nicht nur bei Cineasten einen hervorragenden Ruf genießt. 

Und es ist auch architektonisch ein besonderer Ort. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde 1911 eröffnet. Trotz der üblichen Umgestaltungswut, die nach dem zweiten Weltkrieg auf dem Territorium der ehemaligen DDR bei öffentlichen Gebäuden der Kaiserzeit einsetzte, ist der Weltspiegel von dieser Praxis  zum Glück verschont geblieben. Das konvex gestaltete Portal mit seinen Schmuckelementen aus Widderköpfen, Putten und hervorstehenden Fassadenverzierungen, vermittelt die herausragende Bedeutung des Gebäudes. Im Inneren ist das mit Rosémarmor gestaltete Jugendstiltreppenhaus besonders gut erhalten. Der Saal mit seiner wunderschönen vollständig blattvergoldeten Kassettendecke und dem schwungvollen Rang zeugt von der aufkommenden, luxuriösen Ausstattung zu Beginn des letzten Jahrhunderts. 

Der ursprünglich für 800 Zuschauer ausgelegte Saal ist noch zu UFA-Zeiten verkleinert worden, in dem der Reihenabstand vergrößert wurde. Gleichwohl ist mit 500 Plätzen eine sehr große Kapazität gegeben.

100 Jahre später erfolgte eine gründliche Renovierung und Instandsetzung in deren Mittelpunkt natürlich das Kinoerlebnis stand. Die multifunktionale Gestaltung der Saalebene mit einfahrbarer Podestierung zu einer waagrechten Echtholzparkettfläche bietet universelle Raumnutzungsvarianten für Galaabende, Kleinkunstaufführungen, Kongresse, Tanzabende etc..

Nach einer längeren Phase der Ungewissheit, wie es mit dem Weltspiegel wirtschaftlich weitergeht, gab es Ende 2018 endlich eine Entscheidung zur weiteren Betreibung. Eine neue Betreiber GmbH mit den Geschäftsführern Kerstin Adam und Wulf Sörgel wird künftig die Geschicke lenken. Beide sind dem Kino schon seit etlichen Jahren verbunden. Wulf Sörgel betreibt in Berlin bereits das Moviemento (Kreuzberg), das Central (Mitte) und das Toni (Weißensee). Kerstin Adam ist dem Weltspiegel seit fast sechs Jahren verbunden und war bisher für das operative Geschäft verantwortlich.  

Nachdem Kerstin Adam etliche Besichtigungen und Begehungen anderer Interessenten im Hause miterlebt hatte, wuchs in ihr der Wunsch, selbst etwas dafür zu tun, dass das Weltspiegel-Kino ein besonderes Kino bleibt und nicht z.B. an eine der großen Kinoketten vergeben wird. Gemeinsam mit Wulf Sörgel bewarb sie sich dann mit einem Konzept, dass die zuständigen Entscheider bei der Sparkasse Spree-Neiße, die Eigentümerin des Hauses ist, überzeugt hat. Dabei geht es nicht nur darum, Filme zu zeigen, sondern das Haus vielmehr als einen Ort der Begegnung und Erlebnisse in Cottbus neu zu positionieren. So sind nicht nur Kabarett-Programme und Kleinkunstveranstaltungen geplant, sondern zum Beispiel auch Klassik-Konzerte, die das Medium Film einbinden. Etwa, wenn per Kamera die Hände oder Gesichter der Musiker auf der Bühne zugleich als Nahaufnahme auf der großen Leinwand erscheinen und so mit verschiedenen Ebenen gespielt wird.  
Aber der Film wird natürlich auch weiter im Mittelpunkt stehen. Das monatliche Spatzenkino wird ebenso dazugehören, wie Arthouse-Filme oder auch Filme im Original mit Untertiteln. 

Kerstin Adam ist überzeugt davon, dass auch in Zeiten von Netflix & Co. das Kino als Ort der Begegnung und des Gemeinsamen, wo man sich mit Freunden und der Familie trifft, nicht zu ersetzen ist. Neben der technischen Überlegenheit mit der großen Leinwand, den 3D-Effekten oder auch den Sounderlebnissen, wird es ein Gefühl immer nur im Kino geben: wenn hunderte Menschen gleichzeitig in einem Raum gemeinsam lachen, weinen oder auch angespannt schweigen. Das sind sie dann, die kleinen, großen Kinomomente jedes einzelnen, die in Erinnerung bleiben und verbinden - hoffentlich noch lange mit dem Weltspiegel Filmtheater in Cottbus.

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